Als Josef Fischer 2015 die Verantwortung für das Familienweingut in Rossatz übernahm, ließ er sich zunächst Zeit. Er wollte zwar vieles ändern - aber in Ruhe und überlegt. Also setzte er zunächst nur kleine Schritte, einige davon aber durchaus revolutionär: Er stellte die 11 Hektar Weinberge auf biologische Bewirtschaftung um, er verbannte Reinzuchthefen aus dem Keller und vergor nur noch spontan. Und er strich im Kalender die fixen Termine für den Verkaufsstart seiner Weine. „Riesling ist eine eigenwillige Rebsorte. Man kann Rieslinge nicht in ein Schema pressen, sondern man muss ihnen Freiheit geben“, ist der junge Winzer überzeugt. Deswegen lässt er seinen Weinen aus Einzellagen rund um Rossatz die Zeit, die sie brauchen. Erst wenn sie die kindliche Fruchtigkeit und die jugendliche Ungestümheit abgelegt haben, entwickeln sie die Fähigkeit, als Botschafter der einzelnen Weinberge zu fungieren, in denen sie gewachsen sind. Während die Ried Kirnberg fröhliche Frische zum Ausdruck bringt, zeigt die Ried Goldberg runde Fülle, und die Ried Mugler bringt einen muskulös-straffen Wein mit kantiger Persönlichkeit hervor. Gemeinsam ist, dass die Weine mit viel Tiefgang und großzügigem Potential ausgestattet sind. Der kleine Ort Rossatz an der Donau ist ebenso ruhig und gelassen wie Josef Fischer selbst. Es liegt auf der stillen Seite der Wachau, genießt die Unentdeckheit, die Unaufgeregtheit und die Natürlichkeit. Die„Schattenseite“, wie man das rechte Ufer lange Zeit etwas mitleidig nannte, profitiert in den besonders heißen und trockenen Perioden davon, keine unmittelbar nach Süden ausgerichtete Lagen zu besitzen und auf diese Art den Trauben eine langsame und lange Entwicklung auf den Rebstöckenbieten zu können.
Genau diese Langsamkeit ist es, die Josef Fischer in seine Kellerarbeit übernommen hat und die seine Weine so außergewöhnlich ausdrucksstarkmachen, dass er selbst eigentlich gar nichts mehr zu sagen braucht.